Kaum eine GeheimÂgeÂsellÂschaft hat neben den FreiÂmaurern die GemĂĽter und die FanÂtasie der MenÂschen so an- und erregt, wie der Geheimbund der IlluÂmiÂnaten, der »ErleuchÂteten«. Und kaum eine VerÂbindung hat den FreiÂmaurern mehr geschadet als diese.

Dennoch wollte er mit seiner Abkehr von der Religion, die durch die VerÂnunft abgelöst werden, die den MenÂschen aus der geisÂtigen DunÂkelheit fĂĽhren sollte, nichts anderes als eine SelbstÂbeÂfreiung des MenÂschen. Der »reliÂgiöse« Mensch sollte durch den »erleuchÂteten« MenÂschen ersetzt werden, der seine ProÂbleme durch den Gebrauch des Geistes löste. Das Wissen der Menschheit sollte in einer in einer »illuÂmiÂnaÂtiÂschen WisÂsenÂschaftsÂorÂgaÂniÂsation« zusamÂmenÂgeÂfĂĽhrt werden, die Physik, MatheÂmatik, Medizin, Politik, schöne KĂĽnste und GeheimÂwisÂsenÂschaften umfassen sollte.
In diesem Sinne verÂsuchten WeisÂhaupts IlluÂmiÂnaten die bestehenden VerÂhältÂnisse und OrgaÂniÂsaÂtionen wie Politik, Adel und Presse zu unterÂwandern, ganz bewusst fĂĽr ihre Ideen ausÂzuÂnutzen, gar in ihrem Sinne zu verÂändern. Denn das letzte Geheimnis des GeheimÂbundes war das »Novus Ordo SaeÂclorum«, die »Neue WeltÂordnung«, in der MonÂarÂchien durch DemoÂkratien ersetzt, die LegiÂtiÂmation der FĂĽrsÂtenÂherrÂschaft also nicht nur kriÂtisch hinÂterÂfragt, sondern abgeÂschafft werden sollte; in VerÂbindung mit der VerÂnunft als wesentÂliches Merkmal der PhiÂloÂsophie. Eine »einzige WeltÂreÂgierung«, konÂtrolÂliert von den IlluÂmiÂnaten, sollte die natioÂnalen RegieÂrungen ersetzen. Ein gefährÂliches GedanÂkengut in der damaÂligen Zeit, das Raum fĂĽr allerlei SpeÂkuÂlaÂtionen und (spätere) VerÂschwöÂrungsÂtheorien schuf.

WeisÂhaupt alias »SparÂtacus« selbst – der Ordensname war mit Bedacht gewählt, denn der antiÂröÂmische thraÂkische Sklave SparÂtacus fĂĽhrte einst den AufÂstand gegen die Römer an – war ein Zögling der Jesuiten und orgaÂniÂsierte seine IlluÂmiÂnaten auch nach deren Vorbild als Geheimbund: Die MitÂglieder, darÂunter auch GeistÂliche, erhielten PseudÂonyme, es herrschte eine strenge SchweiÂgeÂpflicht ĂĽber OrdensÂdinge und es wurde unbeÂdingter Gehorsam gegenĂĽber den OrdensÂoberen gefordert.
DarĂĽber hinaus exisÂtierte eine strenge KonÂtrolle, sprich BespitÂzelung der MitÂglieder unterÂeinÂander durch so genannte »Quibus-licet-Berichte«, ein Spionage- und ĂśberÂwaÂchungsÂsystem, das er von den Jesuiten ĂĽberÂnommen hatte. Der Geheimbund war ganz und gar undeÂmoÂkraÂtisch strukÂtuÂriert, an dessen Spitze der »OrdensÂgeÂneral« WeissÂhaupt selbst stand, der nieÂmanden neben sich duldete und der verÂsuchte seine MitÂglieder gar gefĂĽgig zu machen, sie regelÂrecht »abzuÂrichten« und dazu ein »System der GehirnÂwäsche« erfunden hatte. Und auch »Juden und WeibsÂbilder« hatten in seinem Orden nichts verloren.
Während noch in den unteren Graden erklärt wurde, der Orden wĂĽrde sich nicht mit poliÂtiÂschen Fragen und StaatsÂsachen beschäfÂtigen, sondern vor allem um Fragen der Moral, wurde in den oberen Graden die RevoÂlution gegen die FĂĽrsten und den Staat gepredigt! Und noch etwas: Gott sei nur eine VorÂstellung, aber keine ReaÂlität! Es gab also ein hierÂarÂchiÂsiertes HochÂgradÂsystem, dessen niedere Grade zur Tarnung der wahren Absichten der Oberen dienten.Weishaupt gab seine IlluÂmiÂnaten auch als die »echte« FreiÂmauÂrerei aus und verÂsuchte sich ganze FreiÂmauÂrerÂlogen zu unterÂstellen. Ein bedeuÂtendes MitÂglied war der pfalzÂbayÂrische RegieÂrungsrat von Zwack, der 1778 FreiÂmaurer geworden war.Eine direkte VerÂbindung zwiÂschen dem BegrĂĽnder des IlluÂmiÂnaten-Ordens mit den FreiÂmaurern gab es 1777: WeisÂhaupt wurde in MĂĽnchen von der DisÂkreten GesellÂschaft der Loge »Theodor zum guten Rat« aufÂgeÂnommen und verÂsuchte sich stark an deren Ideen anzulehnen.Im InterÂnaÂtioÂnalen FreiÂmaurer Lexikon heiĂźt es dazu: »Man suchte … Anlehnung an die FreiÂmauÂrerei, verÂschaffte sich durch Marquis von ConÂstanzo von der BerÂliner GroĂźloge Royal York ein Patent fĂĽr eine MĂĽnchner Loge ›Theodor zum guten Rat‹, die man dann unabÂhängig erklärte und in den I. (Iluminaten-)Orden ĂĽberfĂĽhrte.«
Er machte »Jagd« auf die vorÂnehmsten, gelehrÂtesten und rechtÂschafÂfensten Männer, die dem Geheimbund beiÂtreten sollten und nutzte seine vielÂfälÂtigen freiÂmauÂreÂriÂschen VerÂbinÂdungen radikal aus. Ăśber 500 will er nach eigenen Angaben rekruÂtiert haben. Aber nicht nur im kathoÂliÂschen SĂĽden DeutschÂlands, sondern auch im proÂtesÂtanÂtiÂschen Norden und in Dänemark, Schweden und Russland wurden begeisÂterte MitÂglieder rekruÂtiert, darÂunter Minister, Bischöfe und FĂĽrsten, gar MitÂglieder des ReichsÂkamÂmerÂgeÂrichts (das heute dem Rang des BunÂdesÂverÂfasÂsungsÂgeÂrichts entÂspricht!), von 22 Richtern gehörten gar neun (!) den IlluÂmiÂnaten an. Rund 2000 MitÂglieder soll der IlluÂmiÂnaten-Bund gehabt haben. Einige Autoren, wie beiÂspielsÂweise Neal Wilgus in The IlluÂmiÂnoids: Secret Societies and PoliÂtical Paranoia (einer kriÂtiÂschen Geschichte des IlluÂmiÂnismus und des Anti-IlluÂmiÂnismus) behaupten, dass der Geheimbund mehr Macht hatte, als akaÂdeÂmische HisÂtoÂriker zugeben. Allein 84 Logen soll er in Deutschland gehabt haben und franÂzöÂsische AristÂroÂkaten wie Mirabeau und Orleans sollen MitÂglieder gewesen sein. Selbst Mozart sei, nach J. M. Roberts Mythology of Secret Societies, MitÂglied des GeheimÂbundes gewesen.Knigge war nicht der einzige FreiÂmaurer, der den IlluÂmiÂnaten beitrat. Einige der berĂĽhmÂtesten, die auch fĂĽr die Nachwelt Bedeutung erlangten, waren Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832, 1780 in die WeiÂmarer FreiÂmauÂrerloge »Amalia« initiiert), der am 11. Februar 1783 den IlluÂmiÂnaten beitrat und dort den Namen »Albaris« trug, Johann GottÂfried von Herder (1744–1803, 1766 im rusÂsiÂschen Riga in die FreiÂmauÂrerloge »Zum Schwert« aufÂgeÂnommen) und der GeneÂralÂpostÂmeister Graf Carl Anselm Thurn und Taxis (1733–1805).Letzterer war 1762 in BayÂreuth in den Bund der FreiÂmaurer aufÂgeÂnommen worden und grĂĽndete in Regensburg die FreiÂmauÂrerloge Charles de la ConÂsÂtance. MitÂglied der IlluÂmiÂnaten war auch Heinrich von PesÂtaÂlozzi (1746–1827), der groĂźe schweiÂzeÂrische Jugend und VolksÂerÂzieher, der von der FreiÂmauÂrerloge Alpina als Maurer angeÂsehen wird.VerÂgessen wir auch nicht, dass WeisÂhaupt selbst 1780 in Bozen eine FreiÂmauÂrerloge grĂĽndete, aber entÂtäuscht war, nachdem er alle Grade kenÂnenÂgeÂlernt hatte. Geschätzt wird, dass etwa zwanzig bis fĂĽnfÂundÂzwanzig Prozent, manche sprechen sogar von ĂĽber dreiĂźig Prozent, von FreiÂmaurern zu den IlluÂmiÂnaten ĂĽbertraten.
Eine enorme Zahl! In diesem ZusamÂmenhang wurde auch von einer »IlluÂmiÂnaÂtenÂfreiÂmauÂrerei« gesprochen.
FortÂsetzung folgt…
Ein Beitrag von Guido Grandt — www.guido-grandt.de


























