PoliÂtiker und Medien behaupten, „wir“ hätten GrieÂchenland und Italien mit den ProÂblemen der ZuwanÂderung „allein gelassen“, weil dort die EU-AuĂźenÂgrenzen sind und nicht in Deutschland. Das gehört zu den vielen Legenden in der ZuwanÂdeÂrungsÂdeÂbatte. Die Behauptung ist ebenso abwegig wie die, man könne durch EntÂwickÂlungsÂhilfe die FluchtÂurÂsachen beseitigen.
(Von Dr. Rainer Zitelmann)
Hier einige Fakten aus offiÂziÂellen StaÂtisÂtiken und Forschungsberichten:
1. Das FlĂĽchtÂlingsÂhilfswerk der VerÂeinten Nationen zählt in Deutschland zum Stand Ende vorigen Jahres 1,41 MilÂlionen SchutzÂbeÂrechÂtigte und AsylÂbeÂwerber. Nr. 2 ist FrankÂreich (402.000). Erst danach kommen Italien (355.000) – und weit hinter Ländern wie Schweden (328.000) und Ă–sterÂreich (173.000) erst GrieÂchenland (83.000). Alleine in Berlin leben heute mehr AsylÂzuÂwanÂderer als in ganz GrieÂchenland, wie aus einer Antwort der BunÂdesÂreÂgierung auf eine Anfrage der LINKEN herÂvorgeht. Demnach wohnten Ende 2017 in Berlin 83.222 AsylÂzuÂwanÂderer (PerÂsonen mit einem der vier SchutzÂtitel, AsylÂbeÂwerber im VerÂfahren, Geduldete, NieÂderÂlasÂsungsÂerÂlaubnis aus Flucht- sowie humaÂniÂtären GrĂĽnden, HärÂteÂfälle). Dabei hat Berlin 3,7 MilÂlionen EinÂwohner und GrieÂchenland 10,7 MilÂlionen. In NordÂrhein-WestÂfalen leben 433.236 solcher ZuwanÂderer ĂĽber das AsylÂsystem, das sind mehr als das UNHCR fĂĽr ganz Italien zählt. Dabei hat NRW 17,5 MilÂlionen EinÂwohner und Italien ĂĽber 60 Millionen.
2. Auch die Daten zu AsyÂlÂentÂscheiÂdungen belegen die UngleichÂverÂteilung in Europa zulasten DeutschÂlands, nicht – wie immer wieder behauptet – zulasten GrieÂchenÂlands oder ItaÂliens. Nach Eurostat-Zahlen wurden im verÂganÂgenen Jahr 524.185 entÂspreÂchende EntÂscheiÂdungen in der BunÂdesÂreÂpublik getroffen, mehr als in allen ĂĽbrigen EU-Staaten zusammen.
3. GebetsÂmĂĽhÂlenÂartig wieÂderÂholen PoliÂtiker, man mĂĽsse die „FluchtÂurÂsachen beseiÂtigen“, und zwar durch EntÂwickÂlungsÂhilfe. Laut einem aktuÂellen ForÂschungsÂbeÂricht fĂĽr das Bonner ForÂschungsÂinÂstitut zur Zukunft der Arbeit IZA wird sich die Hoffnung, dass mehr EntÂwickÂlungsÂhilfe die AusÂwanÂderung aus armen Ländern tatÂsächlich reduÂziert, nicht erfĂĽllen. Die Neigung zur AusÂwanÂderung sinkt nämlich erst dann, wenn die betrofÂfenen Länder ein Pro-KopfÂeinÂkommen von etwa 8.000 bis 10.000 US-Dollar (gemessen auf KaufÂkraftÂbasis) erreicht haben. Länder mit einem Pro-KopfÂeinÂkommen von 5.000 bis 10.000 US-Dollar (auf KaufÂkraftÂbasis) haben im DurchÂschnitt eine dreimal höhere Anzahl an AusÂwanÂderern als Länder, in denen das Pro-KopfÂeinÂkommen unter 2.000 US-Dollar liegt. Mit anderen Worten: Bis zum Erreichen der oberen Schwelle nimmt die MigraÂtiÂonsÂneigung in den ärmsten Ländern bei wachÂsendem WohlÂstand sogar tenÂdenÂziell zu. Im NorÂmalfall dauert es – wenn man die durchÂschnittÂliche hisÂtoÂrische BIP-WachsÂtumsrate zugrunde legt – fast 200 Jahre, bis in einem armen Land der Impuls zur Migration nachÂlässt. Und selbst wenn man sehr optiÂmisÂtisch annimmt, dass sich das WirtÂschaftsÂwachstum durch EntÂwickÂlungsÂhilfe um zwei ProÂzentÂpunkte pro Jahr steigern lieĂźe – eine VerÂdreiÂfaÂchung der derÂzeiÂtigen Rate -, wĂĽrde es bis zum Erreichen dieser EinÂkomÂmensÂschwelle noch ein halbes JahrÂhundert dauern. Doch das ist unreaÂlisÂtisch, weil EntÂwickÂlungsÂhilfe meist nichts bewirkt oder sogar konÂtraÂproÂduktiv ist, wie ich im 2. Kapitel meines Buches KapiÂtaÂlismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ auf Basis einÂschläÂgiger ForÂschungen Belege
4. Deutschland weist im VerÂgleich der EU die meisten MenÂschen ohne AufÂentÂhaltsÂgeÂnehÂmigung auf. Im verÂganÂgenen Jahr lebten im BunÂdesÂgebiet 156.710 PerÂsonen ohne offiÂziÂelles BleiÂbeÂrecht, so die EU-StaÂtisÂtikÂbeÂhörde Eurostat. Das ist etwa ein Viertel aller MenÂschen, die sich ohne Papiere in der EuroÂpäiÂschen Union aufhalten.
5. Deutschland war laut Eurostat zwar auch der EU-MitÂgliedÂstaat, der 2017 die meisten Nicht-EU-BĂĽrger zur AusÂreise anwies (97.165). TatÂsächlich verÂlieĂźen mit 44.960 MenÂschen weniger als die Hälfte der BetrofÂfenen die Bundesrepublik.
Dr. Rainer Zitelmann fĂĽr TheEuropean.de
























